Rainer Maria Rilke
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495 Einträge
I
Ich bete wieder, du Erlauchter, / du hörst mich wieder durch den Wind, / weil meine Tiefen nie gebrauchter / rauschender Worte mächtig sind. Ich bete wieder Rainer Maria Rilke Das Stundenbuch (1905) |
Ich bin derselbe noch, der kniete / vor dir in mönchischem Gewand: / der tiefe, dienende Levite, / den du erfüllt, der dich erfand. Ich bin derselbe noch Rainer Maria Rilke Das Stundenbuch (1905) |
Ich bin die Laute. Willst du meinen Leib / beschreiben, seine schön gewölbten Streifen: / sprich so, als sprächest du von einer reifen / gewölbten Feige. Laute, Die Rainer Maria Rilke Der neuen Gedichte Anderer Teil (1908) |
Ich bin wie eine Fahne von Fernen umgeben. / Ich ahne die Winde, die kommen, und muss sie leben, / während die Dinge unten sich noch nicht rühren: / die Türen schließen noch sanft, und in den Kaminen ist Stille; / die Fenster zittern noch nicht, und der Staub ist noch schwer. Vorgefühl Rainer Maria Rilke Das Buch der Bilder (1902) |
Ich bin zu Hause zwischen Tag und Traum. / Dort wo die Kinder schläfern, heiß vom Hetzen, / dort wo die Alten sich zu Abend setzen, / und Herde glühn und hellen ihren Raum. Ich bin zu Hause Rainer Maria Rilke Cornet (1899) |
Ich habe Hymnen, die ich schweige. / Es giebt ein Aufgerichtet sein, / darin ich meine Sinne neige: / du siebst mich groß und ich bin klein. Ich habe Hymnen Rainer Maria Rilke Das Stundenbuch (1905) |
Ich habe Tote, und ich ließ sie hin / und war erstaunt, sie so getrost zu sehn, / so rasch zuhaus im Totsein, so gerecht, / so anders als ihr Ruf. Requiem für eine Freundin Rainer Maria Rilke Requien (1908) |
Ich habe kein Vaterhaus, / und habe auch keines verloren; / meine Mutter hat mich in die Welt hinaus / geboren. Letzte, Der Rainer Maria Rilke Das Buch der Bilder (1902) |
Ich kann nicht glauben, dass der kleine Tod, / dem wir doch täglich übern Scheitel schauen, / uns eine Sorge bleibt und eine Not. Ich kann nicht glauben Rainer Maria Rilke Das Stundenbuch (1905) |
Ich lebe grad, da das Jahrhundert geht. / Man fühlt den Wind von einem großen Blatt, / das Gott und du und ich beschrieben hat / und das sich hoch in fremden Händen dreht. Ich lebe grad Rainer Maria Rilke Das Stundenbuch (1905) |
Ich liebe dich, du sanftestes Gesetz, / an dem wir reiften, da wir mit ihm rangen; / du großes Heimweh, das wir nicht bezwangen, / du Wald, aus dem wir nie hinausgegangen, / du Lied, das wir mit jedem Schweigen sangen, / du dunkles Netz, / darin sich flüchtend die Gefühle fangen. Ich liebe dich Rainer Maria Rilke Das Stundenbuch (1905) |
Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden, / in welchen meine Sinne sich vertiefen; / in ihnen hab ich, wie in alten Briefen, / mein täglich Leben schon gelebt gefunden / und wie Legende weit und überwunden. Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden Rainer Maria Rilke Das Stundenbuch (1905) |
Ich ließ meinen Engel lange nicht los, / und er verarmte in meinen Armen / und wurde klein, und ich wurde groß: / und auf einmal war ich das Erbarmen, / und er eine zitternde Bitte bloß. Ich ließ meinen Engel lange nicht los Rainer Maria Rilke Das Stundenbuch (1905) |
Ich möchte einer werden so wie die, / die durch die Nacht mit wilden Pferden fahren, / mit Fackeln, die gleich aufgegangenen Haaren / in ihres Jagens großem Winde wehn. Knabe, Der Rainer Maria Rilke Das Buch der Bilder (1902) |
Ich sehe den Bäumen die Stürme an, / die aus laugewordenen Tagen / an meine ängstlichen Fenster schlagen, / und höre die Fernen Dinge sagen, / die ich nicht ohne Freund ertragen, / nicht ohne Schwester lieben kann. Schauende, Der Rainer Maria Rilke Das Buch der Bilder (1902) |
Ich weiß: Du bist der Rätselhafte, / um den die Zeit in Zögern stand. Ich weiß Rainer Maria Rilke Das Stundenbuch (1905) |
Ihr Mund ist wie der Mund an einer Büste, / der nie erklang und atmete und küsste / und doch aus einem Leben das verging / das alles, weise eingeformt, empfing / und sich nun wölbt, als ob er alles wüsste ... Ihr Mund ist wie der Mund an einer Büste Rainer Maria Rilke Das Stundenbuch (1905) |
Ihr fremden Männer, die ihr jetzt so still / in Bildern steht, ihr saßet gut zu Pferde / und ungeduldig gingt ihr durch das Haus; / wie ein schöner Hund, mit derselben Gebärde / ruhn eure Hände jetzt bei euch aus. Aus dem Hause Colonna, Die Rainer Maria Rilke Das Buch der Bilder (1902) |
Im welken Walde ist ein Vogelruf, / der sinnlos scheint in diesem welken Walde. Bangnis Rainer Maria Rilke Das Buch der Bilder (1902) |
Immer wieder, ob wir der Liebe Landschaft auch kennen / und den kleinen Kirchhof mit seinen klagenden Namen / und die furchtbar verschweigende Schlucht ... Immer wieder Rainer Maria Rilke Cornet (1899) |
In Spiegelbildern wie von Fragonard / ist doch von ihrem Weiß und ihrer Röte / nicht mehr gegeben, als dir einer bäte, / wenn er von seiner Freundin sagt: sie war / noch sanft von Schlaf. Flamingos, Die Rainer Maria Rilke Der neuen Gedichte Anderer Teil (1908) |
In ihren langen Haaren liegen sie / mit braunen, tief in sich gegangenen Gesichtern. Hetären-Gräber Rainer Maria Rilke Neue Gedichte (1907) |
In jenen kleinen Städten, wo herum / die alten Häuser wie ein Jahrmarkt hocken, / der sie bemerkt hat plötzlich und, erschrocken. Kathedrale, Die Rainer Maria Rilke Neue Gedichte (1907) |
In tiefen Nächten grab ich dich, du Schatz. / Denn alle Überflüsse, die ich sah, / sind Armut und armsäliger Ersatz / für deine Schönheit, die noch nie geschah. In tiefen Nächten grab ich dich Rainer Maria Rilke Das Stundenbuch (1905) |
Ist einer, der nimmt alle in die Hand, / dass sie wie Sand durch seine Finger rinnen. Strophen Rainer Maria Rilke Das Buch der Bilder (1902) |
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